Jugendparlament in Kleve - Interview mit den Offenen Klevern
31. August 2011
Kleve
veröffentlicht am: 31. August 2011 um 12:42:27
KLE-Point im Gespräch mit den Offenen Klevern zum Thema Jugendparlament in Kleve
Unsere Redaktion hatte das Vergnügen, mit Carina Giesen (20) und Fabian Merges (30) von den Offenen Klevern über ihr Projekt “Jugendparlament” in Kleve zu reden.
Auch wenn sie eher keine politische Erfahrung besitzen, so setzen Frau Giesen und Herr Merges mit aller Kraft und voller Überzeugung für die Notwendigkeit dafür ein, in unserer Stadt mit guten Argumenten und Beispielen für ein Jugendparlament zu werben und das allgemeine Interesse unter den Bürgern zu wecken und zu erweitern.
In Interview mit unserer Redaktion stellten sich beide gerne den Fragen zu diesem Thema zur Verfügung und antworteten in aller Ausführlichkeit.
Frage: “Sie beschreiben in Ihrem Schreiben auf Ihrer offiziellen Website die Altersdistanz zwischen den Generationen.
Inwiefern konnten Sie in Ihrer politischen Arbeit auf Beispiele treffen? Sind Sie auf die Straße gegangen und haben diverse Jugendliche gefragt oder sind diese auf Sie zugegangen, um von den eigenen Erfahrungen zu berichten?”
C. Giesen: "Wir haben ab 2009 angefangen mit dem Wahlkampf damals und das war die Zeit, als wir gestartet sind und uns politisch engagieren wollten. Da hatten wir einen Stand in Kleve und hatten einen Kontakt mit Jugendlichen und Älteren und verschiedene Erfahrungen sammeln können auf dem Gebiet.”
F. Merges: “Darüber hinaus hatten wir eine Info-Veranstaltung, wo wir auch was erklären konnten. Wir wollten zeigen, wie ein Konzept für ein Jugendparlament aussehen könnte und sind dann, ich glaube ein paar Monate später war das, zum Jugendparlament nach Hilden gefahren. Da waren auch ein paar Jugendliche dabei und haben uns das mal angeguckt. Was auch ganz interessant war, daß wir dann im Nachgang, wir haben uns eine Sitzung angesehen, besonders spannend war eigentlich dabei, es war die letzte Sitzung der Legislaturperiode und da konnten wir sehen, was haben die schon gemacht und was haben die für Ideen für die Zukunft. In dem Sinne hatten wir Glück. Nach der Sitzung haben wir uns mit den Jugend-Parlamentariern zusammen gesetzt und haben mal gehört, wie die ihre Arbeit empfinden oder wie sie dazu gekommen sind. Da war eigentlich interessant, daß durch die Projekte, die sie gemacht haben, z.B. ein Skaterplatz, konnten sie auf sich aufmerksam machen. Ich glaube, ein oder zwei Jugend-Parlamentarier sind auch deswegen zum Jugendparlament dazu gestoßen. Also kann man auch so sehen, wenn Jugendliche merken, das bringt was und sie haben das Gefühl, daß sie da was erreichen können, daß das dann auch mehr wird. Wie eine Spirale dann hoch geht. Deswegen muß man an einem Punkt starten, daß sich das dann so langsam entwickelt.”
Frage: “Sie sagen, niemand versteht die Belange und Probleme von Jugendlichen besser als Jugendliche selbst. Kennen Sie gute Beispiele aus der Vergangenheit, welche dies zeigen? Speziell hier in Kleve?”
C. Giesen: “Ja, wir hatten damals ein Beispiel, wo Jugendlichen die Schulsituation in Kleve nicht gefallen hat, daß waren damals Abiturienten. Die kamen speziell zu unserem Stand und haben uns dann informiert darüber, daß die Schulsituation so schlecht sei in Kleve. Daß sie immer springen müssten, die Unterrichtszeiten so schlecht wären. Ob man da nicht mal was machen könnte. Sie sind speziell auf uns zugekommen, weil wir noch jung sind und es gut nachvollziehen können. Die wollten direkt mit uns Kontakt aufnehmen, nicht zu älteren. Weil diese sind ja schon länger aus der Schule raus und können das nicht mehr nachvollziehen. Also es war doch schon erkennbar, daß man gerade von Jugendlichen was bekommen hat.”
F. Merges: “Mir fällt da ein, mit der Förderungssituation, als es um den Nightmover ging. Da könnte ja ein Jugendparlament auch gut diskutieren, eine Stellungnahme abgeben und Ideen entwickeln. Finde, daß ist ein klassischer Grund, der auch aktuell wäre.”
Frage: “Mit dem Argument, daß Jugendliche von heute die zukünftigen Politiker darstellen, inwiefern haben Sie sich bemüht, den Grad des politischen Interesses der Jugendlichen und evt. deren Bereitschaft, aktiv Politik zu gestalten und somit das Interesse der Jugend an einem JuPa zu ermitteln?”
F. Merges: “Also, wir haben geguckt, was für Zahlen bisher veröffentlicht worden sind. Da sind wir auch schnell auf die Shell-Studie gestoßen. Diese ist erstellt worden 2006, auch 2010 und 2002. Immer im 4-Jahres-Rythmus. Da kann man sehr schön dran ablesen, daß die Jugendlichen sich beteiligen wollen und daß sie es auch tun. Und daß auch das Interesse, von Studie zu Studie immer mehr zugenommen hat. Also daß es nicht so ist, daß überhaupt kein Interesse besteht. Vielmehr ist es so, daß die Jugendlichen nicht sehen, daß auch sie eingegangen wird und sie sich so immer mehr abkapseln. Das kann man daran schon sehen.”
Frage: “Jugendliche ab dem Alter von 14 Jahren sollen laut Ihrer Aussage einer entwicklungspsychologischen Studie nach bereits über die Fähigkeit des abstrahierenden Denkens verfügen. Evt. sollen sogar 12jährige im JuPa vertreten sein. Um deren Interesse zu wecken und sie an Politik heranzu führen, würden Sie in die Schulen gehen und mit den Lehrkörpern darüber reden, wie man im Politikunterricht sozusagen “Werbung” dafür machen kann.
Sehen Sie noch andere Möglichkeiten, mit den Jugendlichen Kontakt aufzunehmen und sie für Jugend-Politik in Kleve zu begeistern?”
F. Merges: “Unser Plan, unsere Idee ist im Moment, daß wir eine parteiübergreifende Initiative starten wollen. Wir haben z.B. mit den JuSos Kontakt aufgenommen. Wir haben auch vor drei Wochen in Goch unser Konzept noch einmal vorgestellt und wollen uns dann Mitte nächsten Monat auch noch mal treffen und das initiieren. Man muß aus verschiedensten Bereichen möglichst viele Akteure zusammen bekommen, um dann einen neuen Anlauf zu starten, ein Jugendparlament einzurichten. Und dann ist es auch einfacher, denken wir, über die Schulen,erst mit den Direktoren zu sprechen und eine Veranstaltung zu machen. Oder mit den Politiklehrern ...bei unserer Infoveranstaltung hatten wir auch Lehrer von hier, ich glaube von einem Gymnasium hier aus Kleve, die es auch sehr interessant fanden. Die könnten sich das auch vorstellen, oder aus dem Arbeitskreis stellt das jemand vor. In dem Kontext könnten auch die Lehrer hingehen und sagen, was haben wir denn jetzt hier für Probleme in Kleve. Daß man das mal bespricht, wie sieht das hier aus, mal ganz konkret und nicht so abstrahiert.”
C. Giesen: “Was ganz wichtig ist, ist auch, daß man breit gefächert die Infos an die Bevölkerung gibt, weil es Leute gibt, die gar nicht wissen, daß man das installieren könnte. In der Stadt allgemein. Man könnte in Jugendzentren gehen, da Flyer auslegen oder Infostände machen. Vielleicht auch in die Stadt gehen und Jugendliche ansprechen, nach dem Motto: Wie sieht das aus, interessiert ihr euch dafür? Es gibt hier und da immer junge Leute, die sich dafür interessieren und die auch mehr tun möchten, weil sie für ihre Belange was tun möchten.”
Frage: “Auf der anderen Seite muß sich der Stadtrat aber auch dazu bereit erklären, mit dem JuPa zusammen zu arbeiten, bzw. es auch als solches anzuerkennen. Doch da dies eine Art Machtverlust für die älteren, im Rat fest integrierten Politiker darstellt, dürfte diese Hürde äußerst schwierig zu bewältigen sein.
Wie wollen Sie erreichen, daß die erwachsenen Entscheidungsträger tatsächlich einen Teil ihrer Kompetenz und Macht an das JuPa abtritt? Inkl. Rederecht.”
F. Merges: “Das ist eigentlich ein wichtiger Baustein, daß das JuPa das Rederecht im Stadtrat erhält. Es ist deshalb so wichtig, weil es den Jugendlichen zeigt, daß man ihnen vertraut, daß sie auch eine gewisse Entscheidungskompetenz bekommen. Das fanden wir in Hilden auch so schade! Das Jugendparlament an sich funktionierte schon ganz gut, nur es war da so, wenn sie was vorgetragen haben, war es in dem Jugendhilfe-Ausschuß. Aber dieser Ausschuß mußte sie einladen. Jetzt ist es in Hilden so, daß die Machtverhältnisse da relativ ausgeglichen sind. Aber wenn wir das so in Kleve haben, dann könnte die CDU sagen, wir laden die nicht ein und blocken die dann. Damit konterkariert man das. Wenn man daß wirklich installiert, dann muß man auch mit den entsprechenden Konsequenzen, daß die Jugendlichen entsprechende Entscheidungskompetenzen bekommen. Es ist ja auch so, wie es dem JuPa passiert ist, daß es nicht so abgekapselt ist, sondern wir wollen ja auch, daß die Jugendlichen einmal im Jahr einen Tätigkeitsbericht erstellen und den dann auch im Rat vortragen. Damit der Rat auch über alles informiert ist. Und wenn es um Rechte und Kompetenzen geht, wollen wir, daß sie sich gegenseitig den Ball zu spielen. Also auch der Stadtrat kann Anfragen an das Jugendparlament stellen, welche die dann bearbeiten müssen.”
Frage. “Aber wie wollen Sie denn nun den Rat dazu bringen, daß er tatsächlich diese Kompetenz an das JuPa abtritt? Wie wollen Sie die Ratsmitglieder dazu überreden bzw. davon überzeugen?”
C. Giesen: “Wir hatten z.B. in Hilden die Erfahrung gemacht, es sind ja nicht nur Jugendliche in diesem Parlament, sondern auch Teile des Stadtrates. Wie z.B. der Bürgermeister ist ja auch dabei. Man sieht, die Erwachsenen setze sich auch für die Belange ein. Man hat halt Erwachsene als Fürsprecher für die Jugendlichen. Also man muß gucken, daß man “erwachsene” Fürsprecher bekommt, die viel Einfluß haben im Stadtrat und in der Stadt allgemein.”
F. Merges: “Aber diese Rechte, die soll das JuPa von Anfang an haben. Also ich denke, es bringt jetzt nichts, einfach das JuPa einzusetzen und dann irgendwann mal erhält es Rechte und Pflichten. Dann ist die Gefahr groß, daß sich das wieder verläuft.”
Frage: “Sie haben nun allerhand Lösungen und Wege zu der Einführung eines JuPas hier in Kleve genannt. Warum gründen die Offenen Klever denn nicht selbst ein JuPa, um einen ersten Anfangspunkt zu setzen? Das wäre doch die beste Werbung für ein JuPa und die anderen Parteien ziehen anschließend mit. Wenn das JuPa als eine Art Probeversuch erste Erfolge erzielt und dessen Einfluß wächst, müssen die Mitglieder des Stadtrates gezwungenermaßen das Konzept eines JuPa als “funktionierend” anerkennen. Was hindert die Offenen Klever noch an der Realisierung eines JuPa?”
F. Merges: “Ich denke, wir sind halt eine kleine Gruppe und wenn wir jetzt gucken, daß wir mit der Initiative bißchen größer werden, daß wir dann etwas mehr Ressourcen haben, um dann auch sowas zu machen. Deswegen müssen wir dann auch immer gucken, mit den Leuten, die wir haben, was können wir da auf die Beine stellen und wie können wir das am besten erreichen. Darauf versuchen wir es auf die Weise, daß wir möglichst viele Mitstreiter bekommen, um das zu installieren. Denn, wir beide, wir haben ja auch noch unsere Arbeiten. Wir merken schon jetzt, daß es eine Menge Arbeit ist, wenn wir nach Goch fahren, oder Hilden. Da merken wir auch, daß wir mehr werden müssen.”
C. Giesen: “Ich glaube, die Möglichkeit besteht, weil es gibt ja auch andere Versuchsobjekte, wenn man es so nennen darf. Z.B. im Gymnasium wird es hier und da gemacht, daß Jugendliche selbst sowas aufbauen. Aber was bei uns eigentlich dahinter steckt, ist, daß wir mehr Leute haben wollen, daß das Jugendparlament in Kleve ein aktuelles Thema wird. Daß jeder darüber bescheid weiß und daß ein Druck entsteht und niemand nachher Nein sagen kann. Also daß Jugendliches es von sich selber das wollen. Und so eine Möglichkeit, um sowas zu testen, wäre natürlich eine gute Idee. Man könnte einladen und gucken, wie das ganz funktioniert. Aber wir wollen vor allem diesen Druck aufbauen, daß man von innen her nicht mehr sagen kann, wir lassen das nicht zu.”
F. Merges: “Positive Beispiele hätte man ja auch durch die anderen Jugendparlamente. Und dieses Jahr wurde wieder die beste Schule von NRW ausgezeichnet. Es sind diesmal zwei geworden. Wobei eine hat ein Schülerparlament und gerade wegen diesem haben die den Preis gekriegt.”
Fazit: Es gibt viele gute Gründe und Beispiele, weshalb es sich lohnt, ein Jugendparlament hier in Kleve zu installieren. Wäre es eine Bereicherung für die Stadt? Auf jeden Fall, denn gerade in der heutigen Zeit, in welcher das Leben und die Weltanschauung, sowie das Denk- und Emotionsvermögen von Jugendlichen eher kompliziert und daher für die Älteren kaum zu verstehen ist, wäre ein Jugendparlament der ideale Weg, um zwischen den Generationen zu vermitteln und neue Brücken zu schlagen.
Die Redaktion dankt herzlich Carina Giesen und Fabian Merges von der Wählergemeinschaft “Offene Klever” für das Gespräch.
Das Interview führte Andreas Lelie.